Malte Josh Wagenbach : Wegbereiter

EdTech und die Macht der Plattformen

Malte Wagenbach

In einem vergangenen Artikel habe ich mir Gedanken über die Zukunft der Arbeit gemacht  und wie wir später zusammenarbeiten werden. Heute geht es um Bildungsplattformen und wie diese unseren Lernprozess beeinflussen. 

In der Zukunft werden Plattformen die Märkte definieren und formen.

Durch die Nutzung der dynamischen Ecosysteme & Allianzen sind Plattformen in der Lage, neue Märkte zu modellieren und bestehende Mechanismen zu verändern. 

So wie Uber, Airbnb, Amazon, WeChat etc. bestehende Märkte verändern oder erweitern wird auch in der Bildung eine neue Plattform entstehen. Auch im Silicon Valley spricht man immer wieder von einer neuen Art wie sich Bildung entwickeln wird. Bisher sehe ich Mooc´s ( Online Kurse) oder andere Bildungsmöglichkeiten nicht als die Lösung. 

Was ist eine „Plattform“?

Wenn du im Internet nach Plattform suchst, findest du recht schnell eine ziemlich technische Definition auf Wikipedia:

Eine Plattform – auch Schicht oder Ebene genannt – bezeichnet in der Informatik eine einheitliche Grundlage, auf der Anwendungsprogramme ausgeführt und entwickelt werden können. Sie befindet sich zwischen zwei Komponenten eines Rechnersystems. Für die Komponente, welche die Plattform nutzt, ist die Komponente darunter nicht sichtbar. Daher kann dieselbe Komponente über eine Plattform auf verschiedenen „Untergründen“ betrieben werden. Es gibt eine Vielzahl von Plattformen und Plattformkonzepten im Informatikbereich.

Marc Andreessen hat die folgende Definition 2007 formuliert:

A „platform“ is a system that can be programmed and therefore customized by outside developers — users — and in that way, adapted to countless needs and niches that the platform’s original developers could not have possibly contemplated, much less had time to accommodate.

Plattformen sind erstaunlich.

Andreessen Definition, zeigt warum Plattformen so attraktiv sind und warum sie der Motor für Innovation sind. So kann eine Plattform sich dank Datengenerierung und Datenerfassung weiterentwickeln, wie es eine „nicht Plattform/Pipeline“ nur langsam kann.

Nick Srnicek schreibt in seinem Buch Platform Capitalism, dass Plattformen das grundlegende Geschäftsmodell der digitalen Welt werden und Sie sind der Schlüssel für die nächste Wirtschaft. Ich verwende bevorzugt den Begriff „Nächste Wirtschaft/ Next“, da ich glaube es wird nicht eine weiterentwicklung unserers aktuellen Systems sein, sondern etwas neues gerade entsteht. Nicht nur das sondern Plattformen werden auch der Schlüssel in anderen Bereichen, wie politischen und sozialen Systemen sein. Die im schlimmsten Fall wiederum von technologischen Unternehmen repräsentiert werden. 

 

Im allgemeinen schreibt Srnicek folgendes:

 

Platforms are digital infrastructures that enable two or more groups to interact. They therefore position themselves as intermediaries that bring together different users: customers, advertisers, service providers, producers, suppliers, and even physical objects. More often than not, these platforms also come with a series of tools that enable their users to build their own products, services, and marketplaces. …This is key to its advantage over traditional business models when it comes to data, since a platform positions itself (1) between users, and (2) as the ground upon which their activities occur, which thus gives it privileged access to record them.

 

Er argumentiert, dass Plattformen durch Vertrauen  Netzwerkeffekte generieren –  das heißt, je mehr Menschen eine Plattform nutzen, desto wertvoller und wichtiger wird diese. Wenn Plattformen mehr Nutzer gewinnen und dadurch auch den Wert für einzelne Nutzer steigern, tendieren diese Richtung Monopolisierung. Es ist ein Kreislauf den Srnicek beschreibt, dass desto höher der Nutzen desto besser die Plattform, da mehr Daten zur Verfügung stehen und diese personalisierter wiedergegeben werden können.

 

Holger von Netzoekonom hat folgendes dazu geschrieben:

Plattformen sind das zentrale Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie. Die Unternehmen setzen sich als Vermittler erfolgreich zwischen Anbieter und Nachfrager und fungieren als „Matchmaker“ wie ein Schmiermittel für die Ökonomie, erweitern damit bestehende Märkte oder schaffen gar ganz neue Märkte: Google als Suchmaschine führt Anbieter und Nachfrager von Informationen zusammen, die sich sonst nur mit erheblich höherem Suchaufwand oder vielleicht sogar nie gefunden hätten. Airbnb als Zimmervermittler bringt private Wohnungsanbieter und Reisende zusammen, die vorher voneinander gar nichts gewusst haben. Das klingt simpel, ist aber in hohem Maße disruptiv: Denn Plattformen ersetzen die „unsichtbare Hand“ (Adam Smith) als Organisationsprinzip eines Marktes. Mit der drastischen Senkung der Transaktionskosten und der dadurch ausgelösten enormen Popularität bei den Konsumenten verschieben sich die Wohlfahrtsgewinne in der Plattform-Ökonomie von den Produzenten in Richtung der Konsumenten und des Plattformbetreibers. Allein die vier größten Plattformen (Alphabet, Amazon, Facebook und Alibaba) sind inzwischen mehr wert als alle Dax30-Unternehmen zusammen, die noch weitgehend nach dem unterlegenen Pipeline-Modell arbeiten.

 

In seinem Buch identifiziert Srnicek fünf Arten von Plattformen: Werbe Plattformen (wie Google und Facebook), Cloud Plattformen (wie Salesforce und Amazon Web Services), Industrie Plattformen (wie GE und Siemens), Produktplattformen (wie Spotify) und schlanke Plattformen (wie Uber und AirBnB). Es mangelt daher noch an einer vernünftigen Bildungsplattform, natürlich können wir Facebook, Google und Amazon als Bildungsplattform sehen. Als Beispiel taucht Amazon gerade durch Amazon Inspire in den Markt ein. 

 

 

Bildungsplattformen

 

 

Zu Beginn habe ich gefragt, ob es Plattformen im Bereich Bildung gibt und wenn ja welche?

 

In der Welt der Bildung gibt es sogenannte LernManagementSysteme, diese positionieren sich schon etwas länger als Betriebssysteme für die Hochschulbildung oder Unternehmen. Sie dienen dazu, das Professoren und Studenten online interagieren. Doch viele Universitäten sind mit LMS unzufrieden und sie stellen es sich unmöglich vor so in der Zukunft pädagogisch zu arbeiten. Bei der Gründung dienten LMS dazu, Studenten den Alltag zu erleichtern, welche Kurse gibt es, Anmeldung zu den Veranstaltungen, Bereitstellung von Lehrmaterialien etc. In den letzten Jahren zählten LMS immer wieder als Basis für die Zukunft des Lernens, doch wenn man sich eine Umfrage ansieht, erkennt man das LMS Systeme eine Rolle spielen, aber nicht so wie erwartet. Schüler und Sudenten wünschen sich alternative Methoden, um sich zu bilden.

Es scheint mir als ob auch in diesem Jahr LMS und MOOC´s eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden, wenn man aber betrachtet, dass wir diese Tools schon vor 15 Jahren entwickelt haben, bin ich mit dem aktuellen Stand unzufrieden. Auch sehe ich Risikokapital in dem Bereich eher als kritisch an, da der ROI im LMS nicht extrem hoch ist. Beziehungsweise sollten wir uns die Frage stellen wie nachhaltig es ist.

Es wird definitiv viel passieren im Bildungsbereich, doch LMS sehe ich hier weniger. Altschool hat zum Beispiel €172 Mio. eingesammelt und schließt gerade Schulen, Eltern nehmen Ihre Kinder von den Schulen und Sie finden nur wenige neue Schüler. Ich bin immer noch fasziniert von der Vision der Gründer und glaube es benötigt mehr Risiko und Zeit in dem Bereich. 

Es werden sich in der Zukunft andere Formen bilden, die eher einem Plattform Modell entsprechen. Aber ich als Unternehmer und Innovatist sehe es in der Zukunft als eine zunehmende Verschmelzung von verschiedenen Bereichen., auf einer Plattform. Plattformen monopolisieren, was als Lernkurve für Schüler sicherlich interessant wäre, denn dadurch wird sie sehr viel persönlicher und effektiver für Studenten und Schüler. Allerdings sollten solche Plattformen öffentliche Einrichtungen sein, denn sonst wird der Trend sich dahin bewegen, das TechUnternehmen zunehmend in die öffentliche Gestaltung und ihre eigenen Bedürfnisse mit einfließen lassen. Denkt hierbei bitte an Google, Facebook, Amazon und Apple. Die Vier apokalyptischen Reiter der neuen Zeit. Wenig, bis gar nicht reguliert und gemeinsam dazu imstande Einfluss auf unsere Gesellschaft auszuüben. Wir sollten bei wichtigen Entwicklungen unsere volle Aufmerksamkeit auf diesen Bereich lenken. Es ist ein Thema, dass uns in nahezu jedem Artikel wiedergegeben wird. Wir hören “Fake News” “Roboter ersetzen unsere Arbeit “New Economy” Künstliche Intelligenz” “Personalisierung” etc. – diese Macht liegt zum größten Teil bei den großen TechUnternehmen, die durch Daten, Algorithmen, und Nutzer ihre eigenen Netzwerke erweitern und zunehmend auch in andere Bereiche vordringen.

Unternehmen wie – Google, Amazon, Facebook, Microsoft, Apple und dergleichen – sind die wichtigsten Bildungsunternehmen unserer Zeit.

 

Die großen Tech Wetten

 

 

In diesem Jahr war viel los bei den TechRiesen, aus dem Grund werde ich wohl nicht alle News aufzählen können. Was war aber los in der Bildungswelt? Da wir in Deutschland ein wenig hinterher hängen gibt es die News von den vier Reitern.

 

Facebook:

Zu Beginn des letzten Jahres hat Facebook mit der Summit Public Schools Aufmerksamkeit auf sich gezogen und entwickelt ein LMS für Schulen.

Außerdem hat Mark Zuckerbergs Unternehmen das Ziel Engagement im Bereich des “personalisiertem Lernen” zu fördern. Angefangen im Jahr 201 0 mit einem Investement in Höhe von 100 Mio in Newark. Facebook könnte sich durchaus in eine Lernplattform entwickeln. Wenn man sich Ursprung von Facebook anschaut und aktuell die Entwicklung von Kommunikationslösungen für Unternehmen, Universitäten und Schulen, könnte man sich durchaus vorstellen mehr Entwicklungen in dem Bereich zu sehen. Auch durch den Kauf von OKULUS und die Ausgabe von VR-Kits an Schulen  sind dies Experimente die Facebook testet. Facebook erkennt Depressionen, Selbstmord, Mobbing und andere Auswirkungen unserer Gesellschaft früher als das eigenen Umfeld. 


Aus der Marketingsicht wird immer klarer, wen wir eigentlich ansprechen können. Ob es Randgruppen in Städte sind um Wahlen zu beeinflussen oder Jugendliche die sich nicht wertgeschätzt fühlen Facebook kennt uns und macht sich das zu nutzen. 

 

Microsoft:

Microsoft beginnt mit der Auslieferung von Chromebooks in Schulen, berichtete der Techcrunchn im Januar. Einige Hochschulen haben ihre Verträge mit der Lernplattform Lynda gekündigt. Keine Frage, dass Microsoft sich stärker im Bildungsbereich etablieren möchte 

Um hier gezielt Schüler an Produkte zu binden. Einen Trend von Apple zu Microsoft Produkten kann man hier schon an Hochschulen sehen, die gerne Microsoft im Hörsaal nutzen. 

 

Apple:

Die Verkäufe von Apple iPads an Schulen sind im dritten Quartal 2017 um 32% angestiegen berichtet Adsurge im August.  

Einige Universitäten berichten mit Apples digitaler Lern Initiative zusammenzuarbeiten, hierdurch haben Sie Ipads erhalten.

 

Amazon:

Amazon investiert und testet viel im Bildungsmarkt. So haben sie die Bildungs Plattform TenMarks gekauft und der GM hat das Unternehmen im letzten Jahr auch wieder verlassen. 

Auf der internen Seite von Amazon Education kann man sich zahlreiche Programme ansehen die Amazon entwickelt.

 

Google:

Es ist keine Überraschung, dass Google der größte Informationskonzern auch die Informationen nutzen und zugänglich machen möchte.

Google hat sein eigenes “LMS” und ein virtuelles Klassenzimmer. Wenn es um die Zukunft der Arbeit geht, hat Google 50 Millionen Euro investiert um den Bereich nach vorne zu pushen  Im Septmeber, hat Google die Job Initiative vorgestellt wie die New York Times berichtet 

Google´s Ziel ist es alle Bereiche der Bildung zu verknüpfen, was durch Google Hiring für mich nochmal deutlich wurde.

 

Der Kampf der Plattformen

 

Schlagzeilen gab es im letzten Jahr zahlreiche, ob durch Apple “Apple’s Devices Lose Luster in American Classrooms oder Google “How Google Chromebooks conquered schools“.

Der Verkauf von Chromebooks lief zu 58% an Schulen und ein weiterer Teil an Universitäten. Apples Absatz in dem Bereich viel auf 19% zurück und Microsoft verkauft ca. 22% der Geräte in diesem Markt.

Google betreibt viel und gutes PR, was besonders bei jüngeren attraktiv ist. Ich selbst finde die neuen Google Produkte vielversprechend und könnte mir vorstellen zu wechseln. Zusätzlich bietet Google zahlreiche Zertifizierungsprogramme für Schulen, das Sie Arbeiten an andere auslagern.

Die wichtigste Funktion von Google für Schulen – trotz aller seine Rede von „Zusammenarbeit“ und so weiter – ist zweifellos dass die SoftwareSuite kostenlos oder „frei“ bleibt. Du zahlst mit deinen Daten. Schulen zahlen mit deinen Daten. Schulen zahlen mit den Daten Ihrer Schüler (Google wird möglicherweise den Schülern keine Werbung anzeigen, aber es wird die Daten und Informationen nutzen um Produkte weiter zu entwickeln und die Algorithmen zu verbessern)

 

Google wird bei den Preisen für Chromebooks, nichts am Verkauf verdienen, aber an der Nutzung der Geräte. Selbige wie Car Sharing etc. die nicht am Verkauf des Autos verdienen, sondern an dem Mobilitätsverhalten der Kunden.

 

Wie wir uns die Zukunft des Lehrens und Lernen vorstellen, wird von den Zwängen und Affordanzen einer TechnologiePlattform geformt. Durch die Daten die wir Ihnen übergeben. Kurz möchte ich hier auf den Sprachassistenten von Amazon eingehen, der um ein vielfaches besser ist als Siri und von Amazon stark in Schulen und Universtitäten gedrängt wird. Nicht nur Alexa sondern auch andere Amazon Produkte. 

 

Amazon hat mit der Vermarktung von Alexa an Schulen begonnen, um Schulen intelligenter und vernetzetzter zu machen.

 

Gestörte Ausbildung: Wie Silicon Valley Schulen verändert

 

Die Macht von Plattformen aus dem Silicon Valley ist groß – die New York Times hat hier zu eine Reihe an Artikeln veröffentlicht:

 

Technologieplattformen und die Zukunft der Demokratie

 

Also uns sollte aktuell klar sein das Technologieplattformen eine unglaubliche Menge an Einfluss auf Wissen und Informationen haben – sie gestalten was wir sehen und was wir wissen. Dadurch verändern Sie nicht nur den Journalismus, sondern auch die Bildung. Facebook hat sich aus einem sozialen Netzwerk zu einem der größten Medien Konzerne entwickelt. Die Positionen von den aktuellen Plattformen sind bereits unglaublich politisch mächtig. Wenn diese nun, wie Nick Srnicek aussagt, gegen ein Monopol streben, heißt das Sie erhalten die Kontrolle über die Verwaltung. Besonders Politische Verwaltung, so investiert Google (wie auch andere Großkonzerne) viel Geld in Lobbyismus, nicht nur viel sondern am meisten. Google, Facebook und Co investieren nun in Thinktanks die Meinungsmacher der Zukunft.

Eine der Schlüsselfragen, die die Evangelisten der Bildungstechnologie stellen müssen: Sind Studenten und Schulen auch dazu geneigt, diesen Bedürfnissen zu dienen? Zwingen wir Studenten dazu, auf diesen Plattformen „produktiver“ zu werden – natürlich durch freie Arbeit -, nicht nur als Datenpunkte, sondern als das Rohmaterial, auf das diese Unternehmen ihre Milliardengeschäfte aufbauen?


Kann Demokratie mit den mächtigen Technologie Monopolen koexistieren, die die Plattformwirtschaft beherrschen? (Peter Thiel glaubt das nicht. Und denk daran, er ist ziemlich schlau und ein wenig verrückt 🙂 )

Plattformökonomie wird das Herzstück der digitalen Revolution und wir sollten diese bewusst und nachhaltig vorantreiben.

 



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